Der Entscheidung der Datenschutzbehörde lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Beschwerdeführer hat sich im Mai und Juni 2018 bei einem Personendienstleistungsunternehmen (im Folgenden kurz „Beschwerdegegnerin“) beworben, weshalb seine personenbezogenen Daten in der Bewerberdatenbank der Beschwerdegegnerin gespeichert wurden. Am 31. August 2018 beantragte der Beschwerdeführer bei der Beschwerdegegnerin die Löschung seiner Daten aus der Bewerberdatenbank. Die Beschwerdegegnerin teilte dem Beschwerdeführer daraufhin mit, dass sie dem Löschungsantrag nicht entsprechen werde: Die Daten des Beschwerdeführers würden zwar nicht weiter für ausgeschriebene Stellen der Beschwerdegegnerin herangezogen werden, aufgrund der Klagsmöglichkeiten nach dem Gleichbehandlungsgesetz ergebe sich aber eine Aufbewahrungspflicht der Daten von sechs Monaten zuzüglich eines Monats für den potentiellen Klageweg, weswegen die Löschung der Daten noch nicht erfolgen könne. Der Beschwerdeführer erhob daraufhin Beschwerde bei der Datenschutzbehörde und brachte vor, dass er sich durch das Verhalten der Beschwerdegegnerin in seinem Betroffenenrecht auf Löschung seiner Daten verletzt erachte.

Die Datenschutzbehörde führt in ihrer Entscheidung aus, dass das Recht auf Löschung gemäß Art. 17 DSGVO dann nicht in Betracht kommt, wenn eine Verarbeitung in den von Art. 17 Abs. 3 lit. a bis e DSGVO aufgezählten Fällen erforderlich ist. Den vorliegenden Sachverhalt betreffend sieht die Behörde den Tatbestand des Art. 17 Abs. 3 lit. e verwirklicht, wonach einem Löschungsbegehren dann nicht nachgekommen werden muss, wenn eine Datenverarbeitung zur Geltendmachung, Ausübung oder Verteidigung von Rechtsansprüchen erforderlich sein könnte. Eine bloß abstrakte Möglichkeit rechtlicher Auseinandersetzungen ist für das Aufbewahren der Daten nicht ausreichend. Viel mehr darf ein für die Daten Verantwortlicher nur dann einem Löschungsbegehren widersprechen, wenn er darlegt (i) welche konkreten zukünftigen Verfahren (ii) auf welcher bestimmten Rechtsgrundlage anhängig gemacht werden könnten und (iii) inwiefern durch derartige Verfahren die weitere Speicherung der personenbezogenen Daten notwendig ist.

Die Datenschutzbehörde vertritt im vorliegenden Fall die Ansicht, dass die Beschwerdegegnerin dieser Konkretisierungspflicht ausreichend nachgekommen ist. Dies, in dem sie dem Beschwerdeführer ein konkretes Verfahren nannte – nämlich nach dem Gleichbehandlungsgesetz – in welchem ihr gegenüber innerhalb eines konkreten Zeitraumes – nämlich 6 Monaten – Rechtsansprüche geltend gemacht werden könnten. Dem Beschwerdeführer war dadurch auch klar, dass seine Daten nach Ablauf dieser Frist durch die Beschwerdegegnerin gelöscht werden würden (vgl. Entscheidung der Datenschutzbehörde zu GZ: DSB-D123.085/0003-DSB/2018).

Derartige Entscheidung der Datenschutzbehörde tragen wesentlich dazu bei, dass die teils sehr unbestimmt gehaltenen Begrifflichkeiten der DSGVO ausgelegt und in der Praxis – insbesondere auf Unternehmerseite – richtig umgesetzt werden können. Auch zeigt diese Entscheidung einmal mehr, dass die Grundsätze des Datenzweckes, der Datenminimierung und der Accountability (Nachweis- und Sicherstellungspflicht) zum Herzstück der DSGVO gehören.